Ausstellungen:
1994:
Galerie in Amerlinghaus
1998:
Ausstellung „Farbgestöber“, Wien
2003:
„Ich im Traum“-Selbstportraits, Schule für Kunst und Kultur, Wien
2004:
„Menschenbilder“, im Rahmen der Buchpräsentation: „Was Frauen glücklich
macht... und Männer wissen müssen.“
Gedichte
von Christine Lavant, nach denen die Bilder von Leopold Forsthofer
entstanden sind.
DIE
BETTLERSCHALE
Horch!
Das ist die leere Bettlerschale,
halb
aus Lehm noch aber halb schon Stein
und
sie trommelt dir bei jedem Mahle
Hungerlieder
zwischen Brot und Wein.
Blick
nicht weg und stelle dich nicht taub!
Deine
Zehen zucken längst schon lüstern,
eigenmächtig
tanzt in deinen Nüstern
Bettler-Hochmut
und verschmähter Raub.
Brich
nur weiter das gelobte Brot!
Es
ist durch und durch schon angesäuert
Von
dem Salz, das meine Augen scheuert
Und
die Schale anzufüllen droht.
Wenn
die Trommel plötzlich nicht mehr klingt,
wird
kein Mahl auf Erden dir mehr munden
und
dein Herz wird sich von selber runden
in
der Hand die DICH zum betteln zwingt.
Christine Lavant
DER
MICH VON OBEN ZART BESPRICHT
Der
mich von oben zart bespricht,
geht
um mit meinem Augenlicht,
der
mich von unten her beschwört,
stahl
mir das Ohr, das nicht mehr hört,
im
andren wohnt ein Glockenpaar
und
hängt an einem Engelhaar
hinab
zum Höllenrandes.
Kaum
bin ich noch imstande,
zu
merken, ob mein Herz noch schlägt-
durch
meinen welken Atem sägt
ein
Schmerz, als ginge er durch Stein,
die
Kälte wohnt in Mark und Bein,
und
Brand verdorrt die Kehle.
Der
mich von oben zart bespricht,
dem
schenk ich gern mein Augenlicht,
der
gibt mich nicht verloren.
Doch
dem, der meine Ohren
Zur
Hälfte stahl, zur Hälfte quält,
dem
hab ich jetzt von dir erzählt,
du
Hoffnung meiner Seele.
Christine Lavant
DIE
FEUERPROBE
Die
Feuerprobe hab ich inter mir,
da
liegt mein Herz das ich aus Flammen holte,
mit
etwas Mühe kannst du das verkohlte
Ding
noch erkennen, ich erlaube dir,
es
anzufassen oder wegzuschieben.
Nun
ist mir noch das Wasser vorgeschrieben,
verschärft
durch deiner Feindsal schweren Stein
Ich
kann nicht schwimmen, wirf mich nur hinein
Und
ruf getrost das Gottesurteil an!
Du
bist im Recht- ich aber bin im Kahn
Des
wilden Willens, der kein Urteil braucht-;
Er
ist als Einbaum in mir aufgetaucht
Und
findet sicherlich den Regenbogen-
Bald
hab ich auch das Wasser hinter mir!
Die
Taube freilich ist nicht mitgeflogen,
denn
alles Sanfte bleibt zurück bei dir.
Christine Lavant